Von Mario Schomann
Gründer & Geschäftsführer GOLF GLOBE
Golfreisen entwickeln sich weiter – und mit ihnen die Erwartungen der Kunden
Beim diesjährigen Wissenstag Golfreisen von fvw | TravelTalk hatte ich die Gelegenheit, gemeinsam mit Branchenkollegen über aktuelle Entwicklungen im Golfreisesegment zu sprechen. Besonders gefreut hat mich der offene Austausch mit Reisebüros und Partnern, denn genau diese Gespräche zeigen immer wieder, wie dynamisch sich unser Markt verändert.
Golfreisen gehören heute zu den spannendsten Spezialsegmenten im Reisevertrieb. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kunden. Gefragt sind längst nicht mehr ausschließlich hervorragende Golfplätze oder attraktive Hotels. Immer häufiger stehen individuelle Reiseerlebnisse, persönliche Beratung und maßgeschneiderte Angebote im Mittelpunkt.
Viele der Themen, die wir beim Wissenstag diskutiert haben, beschäftigen mich bereits seit Jahren. Deshalb möchte ich die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammenfassen – nicht als Rückblick auf die Veranstaltung, sondern als Impulse für alle Reisebüros, die Golfreisen erfolgreich verkaufen möchten.
Golfreisen sind längst kein Nischenprodukt mehr
Wer heute über Golfreisen spricht, spricht längst nicht mehr über ein Randthema. Der Golfsport entwickelt sich seit vielen Jahren kontinuierlich weiter und zählt heute mit rund 700.000 registrierten Golferinnen und Golfern zu den größten organisierten Sportarten Deutschlands.
Viel entscheidender als die reine Zahl ist jedoch die Entwicklung der Zielgruppe. Golfreisende verfügen in der Regel über eine hohe Kaufkraft, reisen häufig mehrmals im Jahr und investieren bewusst in Qualität. Für viele ist die Golfreise nicht der Haupturlaub des Jahres, sondern eine zusätzliche Reise, die gezielt geplant wird.
Aus meiner Sicht macht genau diese Kombination Golfurlauber für Reisebüros besonders interessant. Wer einmal Vertrauen aufgebaut hat und seine Kunden kompetent begleitet, gewinnt häufig langfristige Stammkunden.
Golfurlaub wird zum Erlebnisurlaub
Eine Entwicklung ist während des Wissenstags immer wieder deutlich geworden: Der klassische Golfurlaub verändert sich.
Natürlich bleibt das Golfspiel der Anlass für die Reise. Gleichzeitig wünschen sich viele Gäste heute deutlich mehr als perfekte Fairways. Golf wird zunehmend mit Kultur, Kulinarik, Wellness, Naturerlebnissen oder Rundreisen kombiniert. Der Urlaub soll abwechslungsreich sein und auch Mitreisenden, die selbst nicht Golf spielen, ein attraktives Programm bieten.
Diese Entwicklung beobachte ich seit einigen Jahren sehr deutlich. Hotels und Destinationen reagieren darauf mit ganzheitlichen Konzepten, die weit über das eigentliche Golfangebot hinausgehen. Hochwertige Gastronomie, Spa-Bereiche, Ausflüge oder kulturelle Highlights gehören heute vielerorts selbstverständlich dazu.
Für Reisebüros eröffnet das neue Möglichkeiten. Im Mittelpunkt der Beratung steht heute nicht mehr allein der Golfplatz, sondern das gesamte Reiseerlebnis – individuell zusammengestellt und passend zu den Interessen der Kunden.
Irland zeigt beispielhaft, wohin sich Golfreisen entwickeln
Wie gut dieser Wandel funktioniert, wurde im Webinar von Tourism Ireland deutlich.
Mit über 400 Golfplätzen und 58 authentischen Links Courses gehört Irland zu den renommiertesten Golfdestinationen der Welt. Gleichzeitig überzeugt die Insel mit beeindruckenden Küstenlandschaften, historischen Städten, einer lebendigen Pubkultur und außergewöhnlicher Gastfreundschaft.
Genau diese Kombination macht den Unterschied. Golf ist hier nicht nur Sport, sondern Teil eines abwechslungsreichen Urlaubserlebnisses.
Besonders interessant finde ich außerdem, dass Golf in Irland deutlich niedrigschwelliger erlebbar ist als viele vermuten. Auf zahlreichen Golfplätzen sind weder Platzreife noch Handicap Voraussetzung für eine Runde. Dadurch eignet sich die Destination nicht nur für erfahrene Golfer, sondern auch hervorragend für Einsteiger.
Gerade darin liegt für Reisebüros eine spannende Chance. Viele Kunden, die bislang klassische Rundreisen oder Genussreisen buchen, lassen sich durchaus auch für erste Golferlebnisse begeistern – wenn man sie aktiv darauf anspricht.
Persönliche Beratung macht den Unterschied
Ein Thema zog sich durch nahezu alle Beiträge des Wissenstags: Golfreisen bleiben ein beratungsintensives Produkt.
Während sich viele klassische Urlaubsreisen heute problemlos online buchen lassen, erwarten Golfreisende nach wie vor kompetente Ansprechpartner, die ihre individuellen Wünsche verstehen und passende Empfehlungen geben können.
Dabei geht es längst nicht nur um die Auswahl eines Hotels. Reisebüros beraten ihre Kunden unter anderem bei der Wahl der passenden Destination, der Reisezeit, geeigneter Golfplätze oder der optimalen Kombination verschiedener Reisebausteine. Hinzu kommen Themen wie Abschlagzeiten, Transfers oder zusätzliche Leistungen, die den Urlaub abrunden.
Genau darin liegt aus meiner Sicht die große Stärke des stationären Vertriebs. Persönliche Beratung schafft Vertrauen und bietet einen echten Mehrwert – insbesondere bei einer Reise, die so individuell geplant wird wie ein Golfurlaub.
Meine Erfahrung zeigt: Wer seine Kunden kompetent begleitet und auf ihre persönlichen Wünsche eingeht, gewinnt häufig langfristige Stammkunden, die auch bei zukünftigen Reisen gerne wiederkommen.
Diese Destinationen stehen derzeit besonders im Fokus
Natürlich gibt es nicht die eine Golfdestination, die für jeden Gast gleichermaßen geeignet ist. Jede Region hat ihre eigenen Stärken – und genau deshalb lohnt sich eine individuelle Beratung.
Während des Wissenstags wurden insbesondere folgende Destinationen als besonders nachfragestark genannt:
- Mallorca und die Costa del Sol
- Portugal mit der Algarve und der Region rund um Lissabon
- Mauritius
- Ägypten, insbesondere Soma Bay
- Thailand
- Vietnam
Gleichzeitig verändert sich die Nachfrage. Geopolitische Entwicklungen, steigende Preise und neue Flugverbindungen beeinflussen die Reiseentscheidung stärker als noch vor einigen Jahren. Auch bei einer vergleichsweise kaufkräftigen Zielgruppe spielt das Preis-Leistungs-Verhältnis eine wichtige Rolle.
Umso wichtiger ist es, die Bedürfnisse der Kunden genau zu kennen und die passende Destination zu empfehlen – nicht nur den bekanntesten Golfplatz.
Frühzeitige Planung zahlt sich aus
Ein weiterer Punkt wurde während des Wissenstags mehrfach angesprochen: Der Erfolg einer Golfreise beginnt lange vor dem Abflug.
Während Urlauber bei klassischen Pauschalreisen häufig auch kurzfristig attraktive Angebote finden, gelten für Golfreisen andere Spielregeln. Besonders bei beliebten Golfplätzen und hochwertigen Resorts lohnt sich eine frühzeitige Planung.
Der entscheidende Unterschied liegt häufig nicht beim Hotel, sondern auf dem Golfplatz. Die begehrten Tee Times sind vielerorts Monate im Voraus ausgebucht. Wer erst kurzfristig bucht, muss häufig auf weniger attraktive Startzeiten ausweichen oder kann bestimmte Plätze gar nicht mehr spielen.
Deshalb empfehle ich Reisebüros, ihre Kunden möglichst frühzeitig auf diese Besonderheiten hinzuweisen. Wer rechtzeitig plant, sichert sich nicht nur die gewünschte Unterkunft, sondern häufig auch die besten Spielzeiten.
Gerade dieser Beratungsaspekt wird von vielen Kunden sehr geschätzt.
Digitalisierung verändert die Buchung von Golfreisen
Ein weiterer Aspekt des Wissenstags war die Frage, wie sich die Buchung von Golfreisen in den kommenden Jahren verändern wird.
Während Flüge, Hotels oder Mietwagen längst in Echtzeit gebucht werden können, laufen viele Prozesse im Golfbereich noch immer manuell ab. Besonders die Reservierung von Tee Times erfordert häufig mehrere Abstimmungsschleifen zwischen Reisebüro, Veranstalter und Golfclub. Wunschzeiten werden angefragt, Verfügbarkeiten geprüft und Alternativen abgestimmt – ein Prozess, der nicht selten mehrfach hin und her geht.
Um diesen Buchungsprozess deutlich zu vereinfachen, hat GOLF GLOBE mit GOLF GLOBE 365 ein neues Buchungs- und Vertriebssystem entwickelt. Es vernetzt Reisebüros, Veranstalter und Golfanlagen und schafft die Grundlage für eine deutlich effizientere Buchung von Golfreisen. Mit GOLF GLOBE 365 lassen sich verfügbare Startzeiten direkt einsehen und gemeinsam mit der Greenfee reservieren. Schritt für Schritt werden außerdem weitere Leistungen wie Golfcarts oder Buggies integriert.
Für Reisebüros bedeutet das vor allem eines: weniger manueller Abstimmungsaufwand, schnellere Angebote und eine deutlich einfachere Beratung ihrer Kunden.
Besonders wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit mit dem touristischen Vertrieb. Reisebüros können sich bereits in der Testphase einbringen und mit ihrem Feedback dazu beitragen, die Plattform praxisnah weiterzuentwickeln. Ziel ist es, den Buchungsprozess für Golfreisen nachhaltig zu vereinfachen und die Zusammenarbeit zwischen Golfplätzen, Reisebüros und Veranstaltern weiter zu digitalisieren.
Golfreisen folgen ihrem eigenen Saisonrhythmus
Nicht nur die Buchungsprozesse verändern sich – auch beim Reiseverhalten unterscheiden sich Golfreisen deutlich von vielen klassischen Urlaubsformen.
Die Hauptreisezeit liegt für zahlreiche Destinationen zwischen Herbst und Frühjahr. Viele Golfer nutzen die Wintermonate, um ihre Saison im Süden zu verlängern oder sich gezielt auf die neue Golfsaison vorzubereiten.
Besonders stark nachgefragt sind daher Reisen im November sowie zwischen Februar und April. Destinationen wie Irland oder Schottland entfalten ihren besonderen Reiz dagegen vor allem in den Sommermonaten.
Für Reisebüros eröffnet dieser Saisonverlauf interessante Möglichkeiten. Golfreisen sorgen auch außerhalb der klassischen Ferienzeiten für Nachfrage und bieten zusätzliches Umsatzpotenzial in Monaten, die in anderen Bereichen häufig ruhiger verlaufen.
Auch Einsteiger bieten großes Potenzial
Ein Aspekt, der im Reisevertrieb häufig unterschätzt wird, ist die wachsende Zielgruppe der Einsteiger.
Golfreisen richten sich längst nicht mehr ausschließlich an erfahrene Golfer. Immer mehr Destinationen schaffen Angebote, die den Einstieg erleichtern und den Golfsport für neue Zielgruppen attraktiv machen.
Gerade Irland hat gezeigt, wie gut dieses Konzept funktioniert. Schnupperkurse, professionelle Trainer und Golfplätze, auf denen keine Platzreife erforderlich ist, ermöglichen einen unkomplizierten Einstieg.
Aus meiner Sicht lohnt es sich deshalb, Golfreisen nicht ausschließlich aktiven Golfern anzubieten. Auch Kunden, die hochwertige Rundreisen, Wellness- oder Genussreisen buchen, bringen häufig beste Voraussetzungen mit, um Gefallen an einer Golfreise zu finden.
Die wichtigsten Erkenntnisse für Reisebüros
Der Wissenstag Golfreisen hat einmal mehr gezeigt, dass sich dieses Spezialsegment kontinuierlich weiterentwickelt. Für mich lassen sich daraus vor allem sechs Erkenntnisse ableiten:
- Golfreisen gehören zu den attraktivsten Premiumsegmenten im Reisevertrieb und bieten auch künftig großes Wachstumspotenzial.
- Golfurlauber sind kaufkräftig, loyal und reisen häufig mehrmals pro Jahr. Damit bieten sie beste Voraussetzungen für langfristige Kundenbeziehungen.
- Persönliche Beratung bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor. Individuelle Empfehlungen schaffen Vertrauen und echten Mehrwert.
- Der klassische Golfurlaub entwickelt sich zum Erlebnisurlaub. Kultur, Kulinarik, Wellness und Natur spielen bei der Reiseentscheidung eine immer größere Rolle.
- Frühzeitige Planung ist wichtiger denn je. Nur so lassen sich Wunschhotels und attraktive Tee Times zuverlässig sichern.
- Auch Einsteiger bieten interessante Chancen. Wer Golfreisen nicht ausschließlich aktiven Golfern empfiehlt, erschließt zusätzliche Zielgruppen.
Mein Fazit
Der Wissenstag Golfreisen hat mich in einer Überzeugung bestärkt: Die Zukunft erfolgreicher Golfreisen liegt nicht allein in hervorragenden Golfplätzen oder attraktiven Hotels. Entscheidend ist die Qualität der Beratung.
Golfreisende wünschen sich individuelle Empfehlungen, ehrliche Einschätzungen und Reisevorschläge, die genau zu ihren persönlichen Vorstellungen passen. Genau darin sehe ich die große Stärke der Reisebüros. Persönliche Beratung lässt sich gerade bei einem so erklärungsbedürftigen Produkt wie Golfreisen nicht ersetzen.
Immer wieder höre ich von Reisebüros den Satz: „Ich spiele selbst gar kein Golf.“ Meine Antwort darauf ist stets: Das ist kein Hindernis.
Niemand muss selbst Golfer sein, um Golfreisen erfolgreich zu verkaufen. Viel wichtiger ist ein Partner, der die Destinationen kennt, die Besonderheiten der Golfplätze versteht und Reisebüros bei der Planung und Buchung zuverlässig unterstützt.
Genau so verstehen wir unsere Aufgabe bei GOLF GLOBE.
Dazu gehört für mich nicht nur die persönliche Unterstützung bei der Planung individueller Golfreisen, sondern auch die kontinuierliche Weiterentwicklung digitaler Lösungen, die Reisebüros ihre tägliche Arbeit erleichtern. Denn am Ende profitieren alle davon: Reisebüros, Golfanlagen – und vor allem die gemeinsamen Kunden.
Seit vielen Jahren arbeiten wir eng mit Reisebüros zusammen und begleiten sie bei der Planung individueller Golfreisen – von der ersten Kundenanfrage bis zur fertigen Reise. Diese partnerschaftliche Zusammenarbeit ist für mich einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren unseres Geschäfts.
Ich hoffe, dass der Wissenstag Golfreisen viele neue Impulse gegeben hat und Reisebüros ermutigt, das Potenzial dieses spannenden Spezialsegments noch stärker für sich zu nutzen.
Ich freue mich schon auf den weiteren Austausch – sei es bei einer unserer nächsten Veranstaltungen oder im persönlichen Gespräch.
Der Experten Talk zum Nachschauen:
Über den Autor
Mario Schomann ist Gründer und Geschäftsführer von GOLF GLOBE. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt er sich mit Golfreisen und begleitet Reisebüros bei der Planung und Vermarktung individueller Golfreisen weltweit. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er Reisekonzepte für Einsteiger, ambitionierte Golfer und Gruppen und arbeitet dabei eng mit internationalen Destinationen, Hotels und Golfanlagen zusammen.








